Alle gegen Alle

Spanien ist Deutschland deutlich überlegen. Lassen Sie den Fernseher heute Abend also aus! Während Spanien mit einem geschätzten Marktwert von 565 Mio. € den wertvollsten Kader der Weltmeisterschaft stellt, wird das deutsche Team gerade auf schlappe 305 Mio. € taxiert. Märkte irren nicht, oder doch?

Unsere Hoffnung: Das 305-Millionen-Euro Team hat bereits das 390-Millionen Team aus Argentinien und das 44o-Millionen Team aus England geschlagen. Denn neben der Leistungsfähigkeit der einzelnen Spieler, ist für den Turnierverlauf vor allem das Zusammenspiel der Einzelakteure entscheidend.

Jedes neu zusammengestellte Team durchläuft dabei die folgenden vier Phasen der Entwicklung:

  1. Forming: Am Anfang gehen die Gruppenmitglieder betont höflich miteinander um. Man beschnuppert sich gegenseitig.
  2. Storming: In dieser Phase werden Grenzen und Hierarchien innerhalb der Gruppe ausgelotet und neu definiert. Konflikte treten dann sowohl innerhalb der Gruppe, als auch dem Vorgesetzten gegenüber, auf.
  3. Norming: Jetzt werden die Regeln der Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe geklärt. Rollen- und Aufgabenverteilung sind eindeutig festgeschrieben. Trainer sprechen von ausgebildeter Hierarchie innerhalb des Teams.
  4. Performing: Erst in dieser Phase ist das Team zu Höchstleistungen fähig.

Weltmeister kann nur das Team werden, dass sich bereits bei Turnierbeginn in der Performing-Phase befindet, also die Sturmphase bereits durchlebt hat. Dies kann durch ausreichend Zeit (deshalb Trainingslager in der Vorbereitung) und durch passende Teamzusammensetzung erreicht werden. Das französische 450-Millionen Team rutschte dagegen inmitten der Gruppenhase in die Storming-Phase und schied aus dem Turnier aus.

Fazit: Schalten Sie den Fernseher an. Schließlich wird es für Spanien die erfolgreichste WM aller Zeiten, denn sie standen noch nie im kleinen Finale. Unsere 11 Freunde hingegen qualifizieren sich für das Duell gegen die Niederlande.

Ressourcen:

Phasen der Gruppenbildung nach Tuckman, B. (1965): Developmental sequence in small groups. In: Psychological Bulletin, 63.

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