Denk ich an den Dollar in der Nacht…

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Hoffentlich wird der Dollar-Kurs kein Winter-Horror-Märchen. Die amerikanische Zentralbank (FED) betreibt aktuell eine sehr expansive Geldpolitik, d.h. sie versucht durch eine Ausweitung der $-Menge den Wert des Dollars zu reduzieren. Die Idee: Ein billiger Dollar verbessert die Exportchancen der US-Unternehmen und verschlechtert die Importchancen z. B. der europäischen Unternehmen. Dadurch soll die konjunkturelle Lage in den USA stabilisiert werden. Die Zeitungen schreiben bereits von Währungskrieg.

Wenn Sie Anfang Juni 2010 ein Gerät für US$ 100.000 in die USA verkauften, entsprach das einem EURO-Umsatz von 83.333. Wenn Sie das gleiche Gerät aktuell in die USA verkaufen, bekommen Sie hierfür zwar immer noch US$ 100.000 aber nur noch € 71.428. Gegenüber Juni sinken Ihre Erlöse um € 11.905. Während Sie im Juni vielleicht noch 10% Umsatzrendite erzielten, ist dasselbe Geschäft Mitte Oktober verlustbringend, da Ihre Ausgaben in EURO anfallen und die Ausgabenseite mit €75.000 stabil blieb. Der Grund ist der Wertverlust des Dollars in den letzten Monaten. Anfang Juni brachte Ihnen jeder $ noch 0,83 €, heute bekommen Sie für den $ nur noch 0,71 €. Die Vorhersage der zukünftigen Entwicklung ist Spekulation.

Spekulation ist jedoch keine vernünftige Basis für eine robuste Produkt- und Preisstrategie. Welche Auswege gibt es?

1. Einzigartiges Produkt

Die schönste Variante: Ihr Produkt unterliegt nahezu keiner Preiselastizität. Es gibt am amerikanischen Markt kein ernsthaftes Wettbewerbsprodukt. Dann können Sie den Preis entsprechend der Veränderung des Wechselkurses anpassen. Ihre Umsatzrendite bleibt so stabil. Im Beispiel würden Sie also das Gerät aktuell für US$116.666 verkaufen (Preiserhöhung im $-Raum um 16,7%).

2. Absichern eines Wechselkurses

Die wenigsten Unternehmen können das Wechselkursrisiko auf ihre Kunden übertragen. Sie können sich jedoch durch Optionsgeschäfte einen Wechselkurs garantieren lassen (hedging). Dabei entstehen Ihnen zwar Absicherungsgebühren, aber Sie haben einen abgesicherten Wechselkurs als Basis für Produktkalkulation und Marktstrategie im Dollar-Raum. Neben den entstehenden Absicherungskosten ist auch die zeitliche Befristung der Absicherung von  Nachteil.

3. Ausgleich der Zahlungsströme

Ihre Anfälligkeit gegenüber Wechselkursschwankungen nimmt ab, wenn Sie auch einen Teil Ihrer Ausgaben auf Dollar umstellen. So können Sie Rohstoffe, Vorprodukte aber auch Kredite aus dem Dollar-Raum beziehen. Diese Dollar-Forderungen begleichen Sie direkt mit Ihren Dollar-Einnahmen. Der Einfluss von Wechselkursschwankungen auf Ihr Ergebnis nimmt ab.

Beispiel: Den Einnahmen stehen Forderungen in Höhe von US$ 70.000 gegenüber.

  • Anfang Juni 2010: Umsatz: US$ 100.000, $-Ausgaben:  US$ 70.000, €-Ausgaben: € 16.667, Gewinn: € 8.333
  • Aktuelle Situation: Umsatz: US$ 100.000, $-Ausgaben: US$ 70.000, €-Ausgaben: € 16.667, Gewinn: €4.761

Durch einen Angleich der Zahlungsströme hat sich der Gewinn zwar halbiert, ohne Absicherungsmaßnahmen wären jedoch aus den € 8.333 Gewinn ein Verlust von € 3.571 geworden.

Sie können Ihre Dollar-Sorgen reduzieren, indem Sie Ihre Einkaufs- und Finanzierungsstrategie an Ihre Verkaufsstrategie anpassen.

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