Dinosaurier wiederbelebt?

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34.000 Gewerkschaftler machen den Saurier. Die GDL kämpft für einen einheitlichen Tarifvertrag für alle Lokführerer in Deutschland. Um ihre Forderung durchzusetzen, bedienen sich die GDL-Mitglieder alter Reflexe. Nach alter Denkart sind Tarifeinigungen nur möglich, wenn die Kollateralschäden möglichst hoch sind.

Da mutet man seinen treuesten Kunden durchaus schon einiges zu. Man unterstellt den eigenen Kunden mangelnde Alternativen oder gar Fantasie. Würde man sonst die Basis der eigenen Existenz derart mit Füßen treten? Ich wünsche der GDL, dass sie ihre Kunden nicht unterschätzen. Allerdings, mein 4-jähriger Sohn stellte mich letzte Woche in Münster – als der Lokführer die Beförderung einstellte – zur Rede: „Papa, warum fahren wir eigentlich immer mit der Bahn? Auto fahren ist doch auch cool!“ (Wenn jemand von der GDL mitliest, Argumentationshilfe bitte an blog@umsetzungshilfe.de).

Hat die GDL andere Möglichkeiten ihre Interessen durchzusetzen?

Seit über 100 Jahren bedienen sich die Gewerkschaften der Methode Streik um ihre Interessen zu vertreten. Ist hier keine Innovation möglich? Warum nicht endlich alte Pfade verlassen? Mein  Sohn brachte mich mit einer einfachen Warum-Frage ins Schwitzen. Fragen wir doch mal nach.

Warum kann man mit einem Streik seine Interessen durchsetzen?

Weil der wirtschaftliche Druck auf Seiten der Arbeitgeber (fehlende Einnahmen) und auf Seiten der Arbeitnehmer (fehlende Gehälter müssen durch GDL ausgeglichen werden) den Einigungsdruck erhöht. Druck erzeugt häufig die notwendige Kreativität zur Lösung. Die Konsequenz fehlender Kreativität haben übrigens die Saurier zu spüren bekommen…

Wie kann man den wirtschaftlichen Handlungsdruck erzeugen – ohne seine treue Kundschaft zu frustrieren?

Die Bahnbetreiber verzichten für die Dauer des Streikes auf die Einnahmen. Sie können entweder Freifahrtscheine verteilen oder aber die Überschüsse spenden. Die streikenden Lokführer bekommen während des Streiks keine Löhne. Sie werden – wie im klassischen Modell – aus der Streikkasse der GDL bezahlt. Die ökonomischen Zwänge für beide Verhandlungsparteien sind dieselben – die Kunden werden jedoch nicht verprellt. Beispiele für  virtuelle Streiks finden Sie im Blog vom 27.03.2010.

Machen Sie es besser! Konsequentes hinterfragen „alter“ Abläufe und Prozeduren bietet überraschendes Innovationspotential. Stellen Sie W-Fragen. Und wenn Sie die Antwort hören, das geht so nicht, dann kommt der schönste Moment: Warum nicht?

Probieren Sie es aus! Wenn heute jemand zu Ihnen kommt und erklärt wie etwas zu tun ist, fragen Sie nach: Warum?

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle.

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