Bleiben Sie Mensch – dem Rhetorik-Kurs trotzen!

© iStockphoto.com

Im Rhetorikseminar bekommt man häufig den Tipp, das Gesagte durch geeignete Gestik zu unterstreichen. Nur wie setzt man diesen Tipp in die Praxis um? Häufig indem man überlegt, welche Gestik denn zum gerade Gesagten passt. Das ist dann zwar gut trainiert, wirkt jedoch nicht authentisch.

Denn in natürlichen Situationen spricht zuerst die Körpersprache. Wörter verstärken diese nur. Nie umgekehrt! Beobachten Sie zwei Personen die sich sehr mögen und nach langer Zeit mal wiedersehen. Die Freude über das Wiedersehen ist der Körpersprache zu entnehmen. Theoretisch bräuchte keiner der beiden noch etwas sagen. Es ist schon alles gesagt.

Der Tipp des Rhetoriktrainers Gestik zu verwenden – führt hingegen häufig dazu, dass die Gestik dem gesprochenen Wort folgt. Da diese Reihenfolge unnatürlich ist, wirkt der Verwender unnatürlich. Sehr praktisch hingegen der Tipp vom Rhetorik-Professor Harald Scheerer: „Keine Gesten stören nicht! Wenn jemand gut spricht und dabei keine Gesten macht, dann merken die Partner das gar nicht. Aber falsche Gesten, also solche, die angelernt sind und nicht von selbst kommen, die können unangenehm anzusehen sein und die Zuhörbereitschaft stören.“ Seine Empfehlung lautet deshalb: „Vergessen Sie Gesten. Denken Sie überhaupt nicht daran. Die Gesten, die von selbst kommen, stimmen meistens.“

Ressourcen:

Morgan, Nick (2008): How to Become an Authentic Speaker, Harvard Business Review, November.

Scheerer, Harald (2002): Mit Worten führen, Oder: Reden müsste man können. GABAL Verlag GmbH, Offenbach.

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.