Hybrid-Carrier absturzgefährdet

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„Das Management sei ’noch bis ins vierte Quartal hinein‘ davon ausgegangen, dass das Vorjahresergebnis übertroffen würde, heißt es im Geschäftsbericht. Dann jedoch kam der frühe Wintereinbruch, …, versucht der Finanzvorstand eine Erklärung.“ (FTD vom 25.03.11). Ahnen Sie welches Unternehmen derart vom Winter aufs Kreuz gelegt wurde?

Für das Jahr 2011 gilt das Prinzip Hoffnung. Der Unternehmens-Chef meint: „Der Umsatz soll steigen. Ein positives operatives Ergebnis könne erreicht werden, ‚wenn die Rahmenbedingungen sich nicht noch weiter verschlechtern.'“ Jedenfalls glaubt der Chef weiter an sein Geschäftsmodell – Erfolg durch Mischung aus Billig- und Geschäftsflieger. Gemeint ist Air Berlin, die im Jahr 2010 ein negatives Betriebsergebnis von -9,3 Mio. € erwirtschafteten. Seit dem Börsengang vor 4 Jahren konnte Air Berlin ihren Aktionären noch nie einen Netto-Gewinn abliefern.

Verdienen andere Fluggesellschaften Geld? Die irische Fluggesellschaft Ryanair ist mit einer konsequenten Niedrig-Preis-Strategie erfolgreich. Ryanair möchte Europas führender Niedrig-Preis-Anbieter sein. Sämtliche Prozesse werden deshalb ständig unter Kostengesichtspunkten optimiert: Auswahl der Flughäfen, standardisierte Flugzeugflotte, niedriger Treibstoffverbrauch, Verzicht auf kostenlose Serviceleistungen. Das Umsatzniveau von Raynair liegt 20% unter dem Niveau von Air Berlin. Die Profitabilität unterscheidet sich hingegen drastisch. Die Iren haben in der Bilanz 2010 ein Betriebsgewinn i.H.v. 402 Mio. € ausgewiesen.

Den Kundennutzen stellt die Lufthansa in den Mittelpunkt ihrer Wettbewerbsstrategie. Trotz Vulkanasche und Winter erzielte die Lufthansa in 2010 einen operativen Gewinn von 876 Mio. €.

In der Strategie von Air Berlin heißt es: „Air Berlin etabliert sich als einzige europäische Airline als Hybrid Carrier.“ Hybride Strategien sind fürs Management angenehm. Man muss sich nicht zwischen Differenzierung (zum Beispiel Konzentration auf Kundennutzen: Lufthansa) und Kostenführerschaft (Ryanair) entscheiden. Für Mitarbeiter und Anteilseigner hingegen zahlt sich diese Mischstrategie nicht aus, da die langfristige Lebensfähigkeit auf dem Spiel steht. Unternehmen mit Mischstrategie droht die Todeszone Mittelmaß!

Ressourcen:

Lachman, Jennifer (2011): Mit Schubkraft voraus – egal in welche Richtung, Financial Times Deutschland vom 25.03.2011, S. 6.

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