68,69 oder gar 70?

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Die Deutschen müssten, die Griechen sollten, aber vor allem die Portugiesen… Einfach atemberaubend! Letzte Woche schaffte es das Rentenalter mal wieder an die Stammtische. Egal wie die Diskussion ausgeht, für die Unternehmen entstehen Konsequenzen. Wie wird sich das Durchschnittsalter Ihrer Belegschaft in den nächsten Jahren entwickeln? Die meisten Unternehmen müssen von einem Anstieg ausgehen. Nur was bedeutet dies für die Leistungsfähigkeit?

Mit dem Alter nehmen beispielsweise die Geübtheit und die Genauigkeit der Arbeitsausführung aufgrund der Erfahrung zu. Andere Faktoren wie die Lernfähigkeit hängen nicht vom Alter ab. Die körperliche Leistungsfähigkeit hingegen nimmt dem Alter ab (siehe Grafik):

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Welche Hebel haben Sie als Führungskraft, um den Schnittpunkt der körperlichen Leistungsfähigkeit und der körperlichen Anforderung weiter nach rechts zu verschieben?

  1. Reden Sie mit Ihren jüngeren Mitarbeitern. Klären Sie darüber auf, dass in Zukunft eine abschlagsfreie Rentenzahlung erst ab  67 Jahren möglich ist. Die persönliche Lebensweise und Einstellung zur persönlichen Gesunderhaltung ist ein zentraler Baustein für hohe körperliche Leistungsfähigkeit auch im höheren Alter. Je größer der Anteil älterer Mitarbeiter, desto geringer die vorhandenen Möglichkeiten für ältere Mitarbeiter sogenannte Schonarbeitsplätze einzurichten. Insbesondere Schichtarbeit im Alter wird ein Thema. Alternativ ermöglichen sich Ihre Mitarbeiter finanzielle Freiräume um ggf. früher auszusteigen, wenn sie rechtzeitig finanziell vorsorgen.
  2. Altersgerechte Arbeitsorganisation: So sind beispielsweise kurze Schichtzyklen (2 Tage Früh, 2 Tage Spät und 2 Tage Nacht) besser als wochenweiser Schichtwechsel. Darüber hinaus benötigen gerade erfahrene Mitarbeiter Entscheidungsspielräume bei der Ausführung ihrer Arbeiten. Lean Management-Ansätze reduzieren diese Freiräume zu häufig auf ein zu niedriges Maß. Die Folge sind sinkende Motivation zur Arbeit und dadurch steigende Fehlzeiten. Mit intelligenten Teilzeitmodellen können Sie die zusätzliche Erholungspausen anbieten. Intelligente Modelle schaffen es die Lohnstückkosten trotz Teilzeit konstant zu halten.
  3. Ergonomische Arbeitsplätze: Die helfen nicht nur Ihren älteren Mitarbeitern sondern vermeiden auch körperlichen Verschleiß bei Ihren jüngeren Mitarbeitern. Letztens hat mich ein Kunde gefragt, ob ich einen Berater für Arbeitsplatzergonomie empfehlen könnte. Unhöflich antwortete ich mit einer Gegenfrage: „Wer kennt Ihre Arbeitsplätze in der Produktion am besten?“ Na klar, diejenigen Mitarbeiter die an diesen Plätzen jeden Tag 8h arbeiten. Beziehen Sie diese bei der Umgestaltung der Arbeitsplätze ein.
  4. Lebenslanges Lernen: Die Lernfähigkeit nimmt nicht mit dem Alter ab. Dies haben Gehirnforscher sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Warum tun sich dann trotzdem ältere Mitarbeiter manchmal mit neuen Arbeitsplätzen schwer? Das tun sie dann, wenn sie keine Erfahrung mehr im Erlernen neuer Arbeitsplätze haben. Wenn jemand nach 25 Jahren in einem Bereich das erste Mal einen Wechsel vornehmen muss, dann fehlt ihm das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten.  Der psychologische Druck wird zu groß. Leider scheitern dann diese Mitarbeiter zu häufig und müssen das Unternehmen verlassen. Beugen Sie vor und führen Sie regelmäßige Job-Rotation durch.

Welche Erfahrungen und Empfehlungen haben Sie im Umgang mit dem demographischen Wandel?

Literaturempfehlung:

Sporket, Mirko (2011): Organisationen im demographischen Wandel. Alternsmanagement in der betrieblichen Praxis, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH.

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