Nur eine Ausnahme

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Es klingelt an der Türe. Der Hund rastet sofort aus und bellt, dass sich die Balken biegen.

Die Hundehalter beschließen, einen Hundetrainer zu engagieren. Der Hundetrainer erkennt das Problem und gibt den Hundehaltern eine Aufgabe. Jedes Mal wenn es klingelt und der Hund ausrastet, kommt er an die Leine und wird dort so lange gehalten, bis er sich wieder hinlegt (Vorsicht bei deutschen Doggen, die den Hundehalter einfach mit zur Türe schleifen).

Die Hundehalter sind begeistert, dass das so einfach ist und bedanken sich beim Hundetrainer. „Moment“, sagt der Hundetrainer. Sie müssen das konsequent drei Monate am Stück durchhalten. 

„So schlimm war das mit dem Bellen eigentlich gar nicht“, geht der Hausherr schon einmal in Deckung.

Die Familie beschließt, es zu versuchen.

Drei Monate später schaut der Hundetrainer wieder vorbei und will fragen, wie es gelaufen ist. Die Antwort folgt auf das Klingeln!

Nachdem der Hund sich beruhig hat, berichtet die Familie, dass trotz aller Bemühungen der Hund sein Verhalten nicht verändert hat.

„Und Sie haben den Hund immer angeleint?“ will der Trainer verstehen, warum die sonst so erfolgreiche Methode hier versagt.

„Ja, immer ging das nicht“, erklärte der Hundebesitzer. „Erst gestern kam ich mit den Einkäufen in der Hand durch die Türe, als es klingelte. Da kann ich doch nicht erst den Hund anleinen!“

„Ausnahmen bestätigen die Regel“ ist ein beliebter Spruch. Die Wahrheit ist aber, dass Sie mit jeder Ausnahme wieder bei „Null“ anfangen! Ausnahmen zerstören die Regel, sie bestätigen sie nicht.

Führungskräfte machen sich mit Ausnahmen das Leben 5 Minuten leicht (gegenüber demjenigen, dem die Ausnahme genehmigt wird) und den Rest des Lebens schwer. Denn ab dem Augenblick der Ausnahme muss die Führungskraft allen anderen Mitarbeitern ständig erklären, warum diese nicht zur Gruppe der Ausnahmen gehören. Machen Sie es besser und halten Sie Ihren Kurs durch. Ihr Team dankt es Ihnen.

Den anderen sei gesagt, dass so ein bellender Hund gar nicht so schlimm ist, da er ja nicht beißt! Oder stimmt der Spruch auch nicht!?

PS: Ein Vergleich Mitarbeiterführung / Hundeerziehung verbietet sich übrigens. Jeder Hund braucht zwar Führung. Aber Hunde sind nur in hierarchischen und keinesfalls in demokratischen Sozialstrukturen zufrieden und ausgeglichen. Das ist bei (erwachsenen) Menschen anders.

Ressourcen:

Michael Rütter (2011): Deutsch-Hund Hund-Deutsch, Liveshow

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle.

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