Mythos Rückenschule

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Muskel- und Skeletterkrankungen verursachen den größten Anteil der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit. 2009 waren Muskel- und Skeletterkrankung für fast ein Viertel aller Arbeitsunfähigkeitstage der AOK-Versicherten verantwortlich [1]. Was sind die Ursachen für Muskel- und Skeletterkrankungen?

2005 untersuchte die European Foundation für 27 EU-Länder mögliche Ursachen von Muskel-Skelett-Beschwerden bei der erwerbstätigen Bevölkerung. Einige Zahlen:

Rücken- und Muskelschmerzen in Abhängigkeit mit der Arbeitszufriedenheit ([2] S.77):

  • Bei einer Untersuchung klagte jeder Vierte  über Rückenschmerzen.
  • Bei den gestressten Mitarbeitern klagten 7 von 10 über Rückenschmerzen.
  • Wenn sich die Mitarbeiter nicht gestresst fühlten, klagte nur noch 1 von 10 über Rückenschmerzen.
  • Der Einfluss von empfundenem Stress auf Muskelschmerzen ist ähnlich.

Rücken- und Muskelschmerzen in Abhängigkeit mit der Arbeitszufriedenheit ([2] S.77):

  • Die Auftretenshäufigkeit für Rücken- und Muskelschmerzen steigt um mehr als das 5-fache, wenn die Mitarbeiter anstelle von sehr zufrieden überhaupt nicht zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen sind.

Fazit: Wenn die empfundenen Arbeitsverhältnisse stimmen, ist die Rückenschule eine gute Ergänzung.  Rückenschule für gestresste und unzufriedene Mitarbeiter verpufft. Wann fühlen Sie sich gestresst? Stress wird subjektiv empfunden, .d.h. jeder Mitarbeiter hat einen anderen Schwellenwert.

Mögliche Ursachen für Stress:

  1. Menschen fühlen sich häufig gestresst, wenn sie nicht die Ressourcen oder Fähigkeiten besitzen (oder nicht glauben zu besitzen) um anstehende Aufgaben und Anstrengungen zu bewältigen. Sie fühlen sich dann unter Umständen bedroht. Beispiel: Einführung eines neuen SAP-Systems in der Produktion. Mitarbeiter fühlen sich nicht ausreichend trainiert und bekommen zu wenig Unterstützung in den ersten Tagen. Achtung: Entscheidend ist die Einschätzung der zukünftigen SAP-Anwender.
  2. Menschen fühlen sich ausgeliefert und hilflos, d.h. sie sehen keine Möglichkeit um die Situation zu beeinflussen oder gar zu gestalten. Tätigkeitsspielraum reduziert die empfundene Hilflosigkeit. Ein Beispiel finden Sie im Blog vom 12.09.11 (Stress am Montag).

Ressourcen:

[1] Badura, B., Schröder, H., Klose, J., Macco, K. (Hrsg.) (2010):  Fehlzeitreport 2010, Springer-Verlag Berlin Heidelberg.

[2] European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (2007): Managing musculoskeletal disorders. Dublin: Eurofound. (Online verfügbar: http://www.eurofound.europa.eu/docs/ewco/tn0611018s/tn0611018s.pdf)

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