Schuld sind immer die anderen!

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Meine Töchter streiten erbittert um die TV-Fernbedienung. Ich muss dazwischen gehen, damit es nicht zu einem Blutbad kommt.

„Die hat angefangen“ kreischt die Jüngere.

„Lügnerin“ faucht die Große.

„Schlampe“ beleidigt die Jüngere. Die Antwort der Älteren möchte ich hier nicht wiedergeben.

Hilft es mir, herauszufinden, wer angefangen hat?

Weniger direkt aber nicht minder schwierig sind Konflikte im beruflichen Alltag. Im Montagsbeitrag („Wer ist schuld“) zeigten wir einen sogenannten Teufelskreis.

Merkmale eines Teufelskreises sind [1]:

1. Beide Parteien empfinden sich selbst als bloß reagierende auf die provozierende Eigenart des anderen.
2. Beide Parteien sind der Überzeugung, dass sich der Konflikt nur lösen lässt, wenn der andere sich zuerst ändert.
3. Beide Parteien glauben, der andere hat angefangen.

Irgendwann wird die Frage „Wer hat angefangen“ nicht nur unbeantwortbar, sondern erschwert zusätzlich ein Entkommen aus dem Teufelskreis [1].

Lösungsweg  1:
Eine der Parteien erkennt den Teufelskreis und sucht das Gespräch über das Gespräch.  Nur wenn beide Parteien anerkennen, dass sie sich in einem Teufelskreis befinden, können sie entkommen.

Dazu müssen beide Parteien lernen, der anderen Seite „guten Willen“ zu unterstellen.

Im Beispiel von Montag ist es auch denkbar, dass der Konstruktionsleiter seinen Mitarbeitern nur helfen will. Der Konstrukteur müsste lernen das Handeln seines Chefs anders zu deuten.

Der Konstruktionsleiter müsste lernen, das Handeln seines Mitarbeiters ebenfalls anders zu deuten. Lernen ist nur durch Fehler machen möglich.

Beide Parteien müssen ihre Sichtweise auf die Handlung des anderen verändern – sonst gibt es kein Entrinnen.

Lösungsweg 2:

Eine externe Person (Coach, Mediator) versucht beide Parteien an den Lösungsweg 1 heranzuführen.

Der Lösungsweg bleibt jedoch der gleiche.

Am Ende gibt es bei Konflikten nur eine dauerhafte Lösung:

Greifen Sie zum Äußersten: Reden Sie miteinander, nicht übereinander!

Ressourcen:

[1] Friedmann Schulz von Thun, Johannes Ruppel, Roswitha Stratmann. Miteinander reden. 9. Auflage 2008. S. 41 ff. Rowohlt Taschenbuchverlag, Hamburg.

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle.

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