Kollektiv in die Depression

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Ich diskutierte mit 11 gewerblichen Mitarbeitern eines angesehenen deutschen Unternehmens:

„Sie haben gut reden, aber unser Stapler hat ein defektes Rad. Deshalb gehe ich seit einem Monat jeden Tag mit Rückenschmerzen nach Hause. Und unser Chef sagt, die letzten 8 Wochen bis zur geplanten Durchsicht müssen wir da jetzt durch.“ Die 10 Kollegen nickten zustimmend.

Um dem Team zu helfen fragte ich: „Was können Sie tun, wenn Sie mit dem „krankmachenden Staplerrad“ nicht einverstanden sind?“

Schweigen im Raum.

Erstes zögerliches Grinsen, aber immer noch Schweigen.

Da ich auch nichts sagte, und die Stille unerträglich wurde, meinte jemand zögerlich: „Zum Betriebsrat gehen?“

„Der hilft auch nicht.“ – kam es prompt. Also fragte ich den betriebsratskritischen Kollegen: „Was hat Ihnen denn der Betriebsrat erwidert, als Sie bei ihm waren?“

Schweigen im Raum, der Blick senkte sich zur Tischplatte, dann kam das Geständnis: „An den Betriebsrat haben wir nicht gedacht!“

Da hat sich das Team vielleicht in jeder Pause über „ihr Staplerrad“ geärgert. Leider hat keiner die Initiative und Verantwortung übernommen. Das Team hat sich hilflos dem eigenen Schicksal ergeben.

Das Meckern über die da oben ist zwar zurzeit gerade en vogue – ändert aber nichts. Besser Verantwortung übernehmen und nach Wegen und Lösungen suchen. Unabhängig von denen da oben, kann jeder die Stimmung in seiner Umgebung beeinflussen. Das bringt nicht nur mehr, sondern ist auch gesünder. Denn empfundene Hilfs- und Ausweglosigkeit fördert das Auftreten von Depressionen.

PS: Es wäre einfach über den Vorgesetzten des Teams zu schimpfen. Es wäre aber nicht fair, da wir seine Variante der Geschichte nicht kennen.

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