Führen: Ja, aber.

Vielleicht, wahrscheinlich, eventuell – ach, die deutsche Sprache hat ein wundervolles Sortiment an Hintertüren in allen Größen und Preisklassen.

Wem ein einzelnes Wort hierfür nicht genügt, der bedient sich weitschweifiger Erklärungen. Er bastelt schwammige Schachtelsätze, die den Ausweg pflastern, auf dem er sich fröhlich ausschreitend aus der Verantwortung stehlen kann.

Funktionierende Kommunikation ist ein Wunder – im Pathos der Unverbindlichkeit jedoch wird wirkliches Verstehen zum ungewollten Nebeneffekt.

Das beliebteste sprachliche Werkzeuge der Unentschlossenen ist eine ebenso harmlose wie unschuldige Wortkombination: das „Ja, aber“.

Beliebt, weil es mit dem rundum positiven „Ja“ so wundervoll startet und gerne noch durch verstärkende Beigaben ergänzt wird.  Das „aber“ suggeriert dann eine nur kleine Kurve auf gerader Strecke. In Wahrheitist es ein vollendeter U-Turn.

Es nimmt den Gesprächspartner als Beifahrer mit in die entgegengesetzte Richtung. In Dialogen, in denen es um nichts geht, mag diese Irrfahrt folgenlos bleiben. Doch sitzt eine Führungskraft am Steuer, ist das Ergebnis verheerend (ebenso übrigens auf dem Standesamt, aber lassen wir das).

Wenn Führen Verhaltensänderung ist, dann ist das „Ja, aber“ das genaue Gegenteil – der Lord Schlüsselbewahrer des Stillstands, der jedem Hin immer ein Her hinzufügt. Ein Schauspiel, das beim Zuschauer bestenfalls Kopfschütteln hervorrufen kann.

Machen Sie es besser: Bleiben Sie konsequent und richtungsweisend. Aber Vorsicht! Schon Pythagoras wusste: „Die kürzesten Wörter, nämlich ‚ja’ und ‚nein’ erfordern das meiste Nachdenken.“

Christiane Döntgen
Kommunikationsexpertin

 

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle.

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