Wann entfernen Sie Abmahnungen aus der Akte?

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Auch nach Emmely gilt: Sie können bei Diebstahl ohne vorherige Abmahnung den Arbeitsvertrag kündigen. Laut BAG – Richter ist die Kündigung selbst für kleine Diebstähle möglich. Neu: Sie müssen bewerten, wie stark das Vertrauen durch den Diebstahl beschädigt wurde. Dabei gilt: Je länger jemand ohne Tadel beschäftigt war, desto mehr Vertrauen hat er sich erarbeitet.
Emmely war bereits mehr als 30 Jahre beschäftigt. Damit hatte sie sich ein hohes Maß an Vertrauen erarbeitet. Dieses Vertrauen wurde nicht vollständig durch den Diebstahl eines Pfandbons zerstört. Deshalb war die Kündigung nicht gerechtfertigt. Eine Abmahnung hätte nach Meinung der Richter ausgereicht.

Für die Richter war der Diebstahl ein einmaliges Fehlverhalten während der gesamten Dienstzeit. Die Richter hätten anders geurteilt, wenn sie in der Akte Hinweise gefunden hätten, dass die Zusammenarbeit bereits in der Vergangenheit gestört war.

Wenn Sie Abmahnungen aus der Akte entfernen, können die Richter keine Hinweise auf Störungen mehr finden. Deshalb sollten Abmahnungen ohne zeitliche Grenzen in der Akte bleiben.
Als Folge von Emmely kann der Mitarbeiter nicht mehr verlangen, dass eine „abgelaufene“  Abmahnung aus der Akte entfernt wird. Denn dann hätte der Arbeitgeber keine Chance mehr, frühere Störungen vor Gericht nachzuweisen [1].

Ressourcen:

BAG, 10.6.2010 – 2AZR 549/09 (http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=en&nr=14706)

[1] Kleinebrink, Wolfgang (2011): Arbeitgeberseitige Strategien zur Verhinderung eines Aufbaus und zum Abbau eines Vertrauenskapitals, Betriebs-Berater, Nr. 42, S. 2617-2623

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