Heute Ausnahme, morgen Standard.

© Jacek Chabraszewski - Fotolia.com

Neulich abends kam mein Chef mit Gattin vorbei. Nicht mit Anzug, sondern mit Fan-Schal, denn die Live-Übertragung eines Spiels unseres Lieblingsklubs war Anlass gewesen, die gesamte Abteilung einzuladen.

Die Stimmung war prächtig, nur mein achtjähriger Sohn spielte nicht mit. Er nervte, da wir mit zehn Leuten das Wohnzimmer belagerten.

Normalerweise schaute er um diese Uhrzeit seine täglichen 30 Minuten Fernsehen.

Mein Chef raunte mir zu, ich solle den Kleinen vor den Computer setzen. „Ich habe nur den Firmen-Laptop da“, musste ich eingestehen, „und da ist keine Kinder-Software drauf.“

„Nörzig, können Sie dem Kind mal was auf den Firmen-Laptop runterladen“, befahl er unserem Systemadministrator. Gesagt getan.

Unser Team siegte, die Abteilung fühlte sich als Einheit und mein Sohn beschäftigte sich den ganzen Abend selbst. Die Welt war in Ordnung.

Eine Woche später kamen zwei Arbeitskollegen zum Fußballschauen vorbei. Als mein Sohn das Wohnzimmer betrat, schüttelte er nur den Kopf, nahm den Laptop und verschwand in seinem Zimmer. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen sollte.

Heute bekam ich die Antwort: Gegen 19 Uhr klingelte es an unserer Haustür. Meine zwei Arbeitskollegen von letzter Woche, bewaffnet mit Bier und Chips.

„Das ist aber eine Überraschung“, musste ich zugeben, da wir bei den Nachbarn zum Geburtstag eingeladen waren und ich keine Zeit hatte.

„Wieso Überraschung?“, stutzen die Kollegen. „Dein Sohn hat doch bei uns angerufen und uns in deinem Namen eingeladen!“

Ich brauchte meinen Sohn gar nicht rufen, da er im selben Augenblick aus dem Wohnzimmer kam und wortlos mit dem Laptop in sein Zimmer ging.

 

In persönlicher Mission: Happy Birthday liebe Elke!

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