Luschen schieben ist kein Kavaliersdelikt

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Nörzig ist verzweifelt: „Für das neue Projekt brauche ich unbedingt noch zwei Mitarbeiter.“

„Ich kann Dir helfen“, freut sich Brüggel.

„Wie?“, wundert sich Nörzig.

„Ich könnte Dir den Oppelt geben.“

„Taugt der denn?“, fragt Nörzig vorsichtig.

Brüggel beruhig seinen Kollegen: „Schau Dir die Beurteilungen an. Alle ganz gut. Kein Überflieger, aber okay. Halt Durchschnitt.“

Nörzig blättert durch die Beurteilungen, die Brüggel in den letzten drei Jahren über  Oppelt erstellt hat. Kein Tadel, halt Durchschnitt.

„Und warum gibst Du den ab?“

Brüggel lehnt sich gönnerhaft zurück. „Irgendwann brauche ich auch mal deine Hilfe, und dann hoffe ich, dass Du mir hilfst.“

Da kann Nörzig nicht widersprechen. Er einigt sich mit Brüggel auf die Übernahme zum nächsten Monatsersten.

Was hat Nörzig übersehen?

Oppelt hatte die letzten drei Jahre jeweils über 30 Fehltage. Brüggel hat sein Problem gelöst, aber der Firma als Ganzes war nicht geholfen. Bis Nörzig das Problem erkannt hatte, waren weitere zwei Jahre rum. Von Brüggel geschult, schob Nörzig den Mitarbeiter mit der gleichen Methode an den nächsten Vorgesetzten ab.

Nach zehn Jahren lag die Akte von Oppelt zwischen Personalleiter und Betriebsratsvorsitzendem. Der Personalleiter schaute ernst zum Betriebsrat: „Den Fall müssen wir endlich lösen!“

„Wieso“, fragte der Betriebsratsvorsitzende, „wir haben den doch zehn Jahre lang so akzeptiert. Was hat sich jetzt plötzlich geändert?“

„Nichts!?“, musste der Personalleiter zugeben.

Machen Sie es besser:

  1. Versetzen Sie keine auffälligen Mitarbeiter ohne Warnhinweis für den empfangenden Vorgesetzten.
  2. Erklären Sie einem auffälligen Mitarbeiter offen und transparent, warum er versetzt wird. Führen Sie dieses Gespräch am besten mit dem empfangenden Vorgesetzten zusammen.
  3. Erklären Sie dem auffälligen Mitarbeiter, dass er nicht wegen guter Leistungen versetzt wird, sondern es eine Art letzte Chance ist. Wenn er sich am neuen Arbeitsplatz wieder nicht bewährt, kann die fehlende Leistung nicht mehr am Arbeitsplatz liegen, sondern nur noch in seiner Person begründet sein.

Luschen schieben ist kein Kavaliersdelikt!

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