Wie viele Betriebsvereinbarungen benötigt ein Unternehmen?

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Als ich im tesa Werk Offenburg das Amt des Geschäftsführers übernahm, gab es 28 Betriebsvereinbarungen, zehn Jahre später noch vier.

Trotzdem, oder gerade deswegen war die Leistungsfähigkeit des Standorts deutlich angestiegen.

Aber warum werden regelmäßig neue Betriebsgesetze erlassen? Warum will die Geschäftsleitung bestimmte Abläufe dauerhaft zementieren, wo doch nahezu alle notwendigen Regeln bereits in den einschlägigen Gesetzen zu finden sind?

Und warum will der Betriebsrat Zement in die Organisation gießen? Jede schriftliche Vereinbarung entfernt das Unternehmen von der flexiblen Organisation.

Die Wahrheit, beide Betriebsparteien wollen eigentlich keine zusätzlichen Betriebsvereinbarungen, sondern sind Getriebene ihrer Klientel.

Viele Führungskräfte fordern „Klarheit“, was in welcher Situation zu tun ist, quasi digitale Führung; wenn Zustand A dann Reaktion B, wenn Zustand C dann Reaktion D. So fordern die Führungskräfte über ihre Vorgesetzten die Geschäftsleitung auf, möglichst alles zu regeln.

Auf der Mitarbeiterseite haben viele Menschen Angst benachteiligt zu werden, daher fordern Sie den Betriebsrat auf, möglichst alles zu regeln.

Die tatsächliche treibende Kraft hinter diesem Regelwahn ist jedoch nicht die vermeidliche Gleichbehandlung, sondern Neid.

Die Angst des Mitarbeiters, etwas nicht zu bekommen, was der Kollege bekommen hat. Die Angst des Vorgesetzten, dass ein anderer Vorgesetzter seinen Mitarbeitern ein Goodie mehr gibt, als man selbst seinen Mitarbeitern zugestanden hat.

Das Dumme ist nur, dass weitere Regelungen und Vereinbarungen dieses „Neid“-Gefühl nicht reduzieren, sondern nur auf andere Sachverhalte verschieben!

Und so geraten Unternehmen in den Teufelskreis immer mehr Regeln festzulegen und Betriebsvereinbarungen oder ähnliches abzuschließen, ohne tatsächlich Ruhe ins Haus zu bekommen.

Machen Sie es besser und regeln Sie nur das, was wirklich für den Geschäftsbetrieb notwendig ist. Für Streitfälle setzen Sie eine paritätische Kommission aus Betriebsrat und Geschäftsleitung ein und die freigewordene Zeit nutzen Sie für Ihre Kunden.

Die werden es Ihnen dankend zurückzahlen!

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