Was machen Sie mit einem unterbeschäftigten Mitarbeiter?

© panthermedia.net salvador burciaga

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Letztlich fragte mich ein Vorgesetzter in einer Seminar-Pause:

„Was mache ich mit einem Mitarbeiter der dauernd montags und freitags krank wird?“

„Haben Sie eine Idee, woran das liegt?“

„Angefangen hat das mit dem Verleihen des Mitarbeiters. Wir haben halt momentan keineArbeit für den Mitarbeiter – also haben wir ihn an andere Abteilungen ausgeliehen.“

„Die Fehltage treten also erst seit der ersten Versetzung auf?“

„Ja“, sagte der Vorgesetzte, „seit der Rückkehr aus der ersten Abteilung. Die hatten halt auch keine Arbeit mehr für die Qualifikation dieses Mitarbeiters. Und die anderen Abteilungen schicken den auch immer nach kurzer Zeit zurück.“

„Was tun Sie in Ihrer Firma mit Mitarbeitern, für die keine Arbeit da ist?“, fragte ich, um die Unternehmensphilosophie zu verstehen.

„Das wollte ich ja von Ihnen wissen“, bekam ich eine Frage postwendend zurück.

„Normale Unternehmen kündigen betriebsbedingt, wenn sie keine Arbeit haben.“

Mit erschrockenen Augen antwortete der Vorgesetzte: „Um Gottes Willen, das können wir doch nicht tun.“

„Okay“, antwortete ich und suchte nach einer anderen Lösung. „Verstehe ich das richtig, dass Sie zu wenig Arbeit für den Mitarbeiter haben und die anderen Abteilungen den Mitarbeiter auch nicht wollen?“

„Ja, genau.“

„Dann bieten Sie dem Mitarbeiter doch einen 60% oder 80% Stelle an. Dann reicht die Arbeit und die Krankentage verschwinden.“

„Um Gottes Willen, das können wir nicht tun! Wie soll der arme Mitarbeiter mit 80% Entgelt auskommen?“

„Haben Sie mal gefragt?“

„Nein!? Aber Sie als erfahrener Praktiker haben doch sicher noch eine elegantere Lösung, wo der Mitarbeiter keine Verluste hat.“

„Naja“, sagte ich. „Die einfachste Lösung ist es, die Fehltage einfach hinzunehmen.“

„Um Gottes Willen, das geht nicht!“

„Warum geht das nicht?“

„Die zwei Arbeitskollegen sind schon total sauer, weil die an den Fehltagen immer die Arbeit des Kollegen mitmachen müssen.“

„Sie meinen die Arbeit, die nicht existiert?“ wollte ich es genauer wissen.

„Ich beschaffe dem Kollegen ja immer etwas Arbeit, damit der was zu tun hat.“

„Kann das sein, dass Sie versuchen Beliebtheitsführer zu werden und es allen Recht machen wollen?“

„Ist das nicht die Aufgabe eines Vorgesetzten?“

„Ich fasse das mal zusammen:

Der Mitarbeiter ist unzufrieden, weil er keine sinnvolle Arbeit hat, die Kollegen sind unzufrieden, weil der Mitarbeiter häufig kurzfristig ausfällt und Sie sind unzufrieden, weil Sie Ihre wertvolle Arbeitszeit mit dem Suchen von Arbeit für den Mitarbeiter verbringen.“

„Stimmt, genauso ist es“, strahlte der Vorgesetzte. „Und was soll ich jetzt tun?“

Machen Sie es besser. Laufen Sie nicht in die Falle des Beliebtheitsführers.

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  1. „You can complicate your life in many ways by asking, „Oh, I wonder if the players like me?“ If I did my job well, the players would respect me, and that’s all you need.“ Alex Ferguson

    (Elberse, A. and Ferguson, Sir A. (2013): Ferguson’s Formula, Harvard Business Review, October, p. 121)

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