Gibt es in Ihrem Unternehmen das Beifahrer-Syndrom?

© panthermedia.net Fritz Langmann

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Sind Sie manchmal Beifahrer? Wenn ja, versuchen Sie sich bitte an eine kritische Situation zu erinnern. Wie haben Sie sich in dieser Situation gefühlt? Wie hat sich der Fahrer gefühlt?

Häufig bekommt der Beifahrer schon Adrenalin-Schübe, während der Fahrer noch relaxt ist. Warum? Der Fahrer hat die Situation unter Kontrolle, denn er weiß, dass sein Fuß bereits auf der Bremse steht. Der Beifahrer erlebt dieselbe Situation als Stress, weil er keine Bremse hat. Im Gegensatz zum Fahrer ist er ausgeliefert. Er hat keinen Einfluss.

Kontrollverlust erzeugt Stress. Häufiger Stress wiederum führt zu psychischen und körperlichen Erkrankungen. Psychologen nennen dies: kankmachenden Kontrollverlust.

Sitzen Ihre Mitarbeiter in der Fertigung am Steuer oder auf dem Beifahrersitz?

Welchen Gestaltungsspielraum hat der Mitarbeiter am Band? Die Mitarbeiter haben ein gutes Gespür dafür, dass sie nicht den selben Gestaltungsspielraum wie der Geschäftsführer haben können. Umso empfindlicher reagieren sie dafür, wenn Mitsprache selbst dort verwehrt wird, wo sie einfach möglich wäre. Möglichkeiten bieten sich oft rund um Schicht- und Urlaubsplanung. Hier lassen sich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Mitarbeiter bekommen mehr Handlungsspielräume, dadurch steigt Motivation und verbessert sich die Gesundheit, gleichzeitig entlasten sich die Vorgesetzten. Sie bekommen jetzt mehr Zeit für Führung. Ein win-win! Oder?

Ressourcen:
Karasek, R. (1979): Job demands, decision, lattitude, and mental strain: implications for job redesign. Administrative Science Quarterly, 24 pp. 285-305.
Netta, F. (2009): Gesunde Mitarbeiter – gesunde Bilanz, S.71-89 in: Kromm, W. und Frank, G. (Hrsg.) (2009): Unternehmensressource Gesundheit – Weshalb die Folgen schlechter Führung kein Arzt heilen kann, 1. Auflage, Symposion Publishing GmbH, Düsseldorf.

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2 Antworten auf Gibt es in Ihrem Unternehmen das Beifahrer-Syndrom?

  1. Rainer Viesel sagt:

    Ich kenne das Gefühl des Beifahrers. Das Fahrzeug in dem ich sitze heißt Bundesfinanzagentur GmbH, und am Steuer sitzt unser Finanzminister. (Spezialanfertigung). Und während wir mit 240 auf eine massive Betonmauer rasen, schaltet er locker einen Gang runter und beschleunigt mit einem Lächeln in Richtung 300. Von Mitbestimmung hält er leider nix und haut mir auf die Pfoten als ich das Steuer rumreisen will. Die Krise ist vorbei schmunzelt er glaubwürdig. Nun ja, im Film „Zurück in die Zukunft“ gab es ab einer gewissen Geschwindigkeit einen Knall und man befand sich in der Zeitmaschine am gleichen Platz, in einer anderen Zeit, ohne Mauer. Ich hoffe die Mauer weis das. Und da Stress ungesund ist, rege ich mich auch nicht auf. Mähhh.

  2. Thomas Hochgeschurtz sagt:

    @ Rainer Viesel: Wir haben in Deutschland eine hervorragende Druckindustrie: die einen drucken Zeitungen, andere Bücher und wieder andere zur Not Geld.
    Wir fühlen uns beim Beifahren schlecht, weil wir nicht die Mittel des Fahrers haben 🙂
    Und wollen Sie wirklich eine Zeitmaschine besitzen? Wohin (zeitlich) würden Sie reisen? Zurück, oder in die Zukunft?

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