Ist der Streik der GDL alternativlos?

© panthermedia.net / Leonid Andronov

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Leonid Andronov

Ab 21:00 Uhr stehen heute die Räder still. Um ihre Forderungen nach mehr Lohn und weniger Arbeitszeit durchzudrücken, werden die Lockführer der GDL von 21:00 bis 06:00 Uhr streiken. Wenn der Plan aufgeht, wird der Zugverkehr in Deutschland in der kommenden Nacht zum Erliegen kommen. Berufspendler, Nachtschichtler und Frühschichtler planen lieber nicht mit der Bahn, wenn sie pünktlich eintreffen möchten. Darf die GDL das?

Klar! Das Recht zum Streik ist ein zulässiges Mittel um Gewerkschafts-Interessen durchzusetzen. Und was darf der Kunde? Er darf sein Verkehrsmittel frei wählen. Wenn die Bahn nicht fährt, dann bieten Flieger, Auto, Nahverkehrs-Busse &Fernbusse, aber auch Taxen mögliche Alternativen. Also kein Grund zur Panik. Jeder kann und wird sein Ziel trotz Bahnstreik erreichen. Klar verspätet oder auch überteuert, aber es wird funktionieren.

Fazit: Bleibt den Bahn-Mitarbeitern zu wünschen, dass sich GDL und Bahn-Vorstand schnell einigen. Oder falls es länger dauern sollte, dass die Bahn-Kunden schnell vergessen. Was ist eine Monats-Karte oder gar eine BahnCard 100 wert, wenn man künftig mit Streiks rechnen muss? Ist die Bahn dann überhaupt noch eine Alternative? Oder doch lieber auf das eigene Fahrzeug setzen?

Ist die Verärgerung der eigenen Kunden alternativlos?

Nein! 1999 wurde bei der zweitgrößten italienischen Fluggesellschaft Meridiana gestreikt. Allerdings mussten die Reisenden während des Streiks keine Flugausfälle hinnehmen. Es war nämlich ein virtueller Streik. Die Mitarbeiter von Meridiana-Airline haben wie üblich ihre Arbeit verrichtet und in der Phase des virtuellen Streiks auf ihr Entgelt verzichtet. Im Gegenzug hat die Fluggesellschaft sämtliche Einnahmen an gemeinnützige Einrichtungen gespendet.

Wie funktioniert ein virtueller Streik?

Bei einem herkömmlichen Streik verlieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber Geld. Die Arbeitnehmer werden bei Streik nicht mehr vom Arbeitgeber bezahlt, dadurch entstehen Einkommenseinbußen. Den Arbeitgebern entgehen während des Streiks Einnahmen. Dadurch erhöht sich für beide Seiten mit zunehmender Streikdauer der Einigungsdruck. Im virtuellen Streik a la Meridiana entsteht dieser Einigungsdruck auch. Die Arbeitnehmer erhalten für die Dauer des virtuellen Streiks kein Entgelt und der Arbeitnehmer spendet für diesen Zeitraum sämtliche Einnahmen an Wohltätigkeitsorganisationen.

Ressourcen:
Ian Ayres and Barry Nalebuff (2002): The Virtues of a Virtual Strike  (weiter auf englisch)
Umsetzungsblog vom 22.10.14: Liebe Bahnkunden Sie haben Pech gehabt.

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