Wer hat gewonnen? Prevent oder Volkswagen?

Beide Seiten am Abgrund. © panthermedia.net / alphaspirit

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alphaspirit

Beide haben es auf die  begehrte Titel-Seite geschafft. Nur wem hat es genützt?
Prevent nicht. Vielleicht haben sie gegenüber VW ihre Forderungen durchgesetzt. Einen Namen als zuverlässigen Lieferanten haben sie sich nicht gemacht. Die Akquise neuer Kunden ist nicht einfacher geworden.
Volkswagen aber auch nicht. Negativen Rummel hatte sie dank Schummel-Diesel in den letzten Monaten genug. Jetzt müssen sie sich fragen lassen, warum der Einkauf es versäumte für kritische Komponenten Alternativen zu qualifizieren. Noch schlimmer wiegt die öffentliche Debatte über Kurzarbeit. Ist es moralisch vertretbar, wenn die Allgemeinheit für unternehmerische Versäumnisse zahlen muss?

Beiden Seiten kannten den Preis ihres öffentlich ausgetragenen Konfliktes. Nur warum haben sie ihn trotzdem akzeptiert?

Phasenmodell der Eskalation nach Friedrich Glasl

Nach Glasl durchlaufen Konflikte im schlimmsten Fall drei Stadien. Wenn der Konflikt nicht professionell bearbeitet wird, dann nehmen die sozialen Turbulenzen mit der Zeit zu.

  1. Win-Win: Beide Seiten sind an einer gemeinsamen Lösung interessiert. Beide Seiten gehen als Gewinner hervor. Auf diesem Niveau können beide Parteien gemeinsam den Konflikt lösen. Sobald eine Partei eine einvernehmliche Lösung ausschließt, verschärft sich der Konflikt.
  2. Win-Loose: Statt Reden, werden jetzt Fakten geschaffen. Man hat sich von einer einvernehmlichen Lösung verabschiedet. Es geht jetzt gar nicht mehr nur um den eigenen Vorteil. Es geht auch darum, der anderen Partei zu schaden. In unserem Beispiel: Prevent stellt die Lieferung ein und zwingt VW damit in einen Produktionsstopp. VW erzwingt gerichtlich die Herausgabe wichtiger Bauteile.
    Auf diesem Niveau ist der Konflikt häufig nur durch Unterstützung einer neutralen dritten Partei möglich. Wird der Konflikt aber auch auf diesem Niveau nicht gelöst, dann wird er zunehmend unlösbarer.
  3. Loose-Loose: Eigener Schaden wird akzeptiert, solange die Gegen-Partei einen noch größeren Schaden erleidet. Beide Seiten laufen mit hoher Geschwindigkeit dem Abgrund entgegen. Glasl schreibt vom Lust am Selbstmord, wenn auch der Feind zugrunde geht. Einen Weg zurück gibt es häufig nicht mehr.

Der Konflikt zwischen VW und Prevent war schon an der Grenze zu Loose-Loose.

Wie hilft Ihnen das Modell von Glasl?

Achten Sie auf die beschriebenen Wendepunkte und vermeiden Sie eine Verschärfung des Konfliktes. Stemmen Sie sich gegen den Strudel der Verschärfung. Wenn Sie erkennen, dass Ihr Konflikt auf das Niveau Win-Loose abgesunken ist, bitten Sie einen Moderator um Unterstützung.

Mehr Umsetzungshilfe:

UH13: Konflikte managen http://www.umsetzungshilfe.de/13
UH14: Erfolgreich verhandeln http://www.umsetzungshilfe.de/14
Ihr Führungs-Seminar: Führen: Der schnelle Einstieg in Ihre Führungsaufgabe. Ihr nächster Termin: 30.11.-01.12.16

Ressourcen:
Briegert, E. & Hochgeschurtz, Th. (2011): Führung, ikotes Verlag.
Glasl, Friedrich (2009): Konfliktmanagement: Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater, 9. aktualisierte und ergänzte Auflage, Freies Geistesleben.

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