Wie wohl fühlen sich Ihre Kunden in Ihren Händen?

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Leonid Andronov

Heute Morgen: Ich kann mein Glück kaum fassen, denn ich habe einen Sitzplatz ergattert. Zwei Konkurrenten konnte ich ausstechen. Der eine hat bei den kostenfreien Zeitschriften eine halbe Sekunde gezögert, die ich zu einem Überholmanöver nutzen konnte. Ich musste ihm zwar meinen Trolley in den Rücken rammen, aber mein Koffer hält sowas aus.

Die Stelle ist im ICE aber auch immer eine Engstelle; dort, wo der Großraumwagen in die Abteile übergeht.

Und ich schaffe es zeitgleich mit dem zweispurigen Gegenverkehr an ein Abteil. Die Pole-Position des Gegenverkehrs, Managertyp mit kleinem Koffer aber großer Laptop-Tasche, blickt auf die Reservierungstafel – meine Chance.

Ich schiebe mein Knie, so in die Tür, dass er mir mit seinem Koffer die Kniescheibe brechen müsste, um noch vor mir in das Abteil zu kommen. Keine gute Idee.

Er versucht seinen Koffer noch vor mir in das Abteil zu schieben, aber das Knie hält.

Nun brauche ich auch einen Sitzplatz, denn stehen kann ich mit dem Knie nicht mehr.

Im Abteil saßen nun sechs ausgewachsene Männer. Hatte ich bereits erwähnt, dass es sich um eine Bahnfahrt 1. Klasse handelte?

Endlich konnte ich mein Frühstück zu mir nehmen, eine Butterbretzel in einer Bäckereitüte. Beim Öffnen der Tüte wurde ich zu Recht gewiesen, dass es sich um ein Ruheabteil handelte. Nun konnte ich die Tüte auch nicht mehr schließen. An Beißen und Kauen wagte ich nicht zu denken.

Ich ließ die Tüte mit angebissenem Bretzel so lautlos wie möglich in meine Laptoptasche gleiten.

Alle fünf Mitfahrer hielten sich an die Anforderungen eines Ruheabteils und ruhten. Die Szene erinnerte mich an meinen sonntäglichen Saunabesuch, mit dem glücklichen Unterschied, dass meine  Mitfahrer bekleidet waren.

Mit geschlossenen Augen lagen sie in ihren Sitzen und atmeten. Haben Sie schon einmal fünf Männer im Alter zwischen 45 und 60 atmen hören? Wenn sechs Männer atmen, handelt es sich definitiv nicht um ein Ruheabteil.

Mannheim erreichten wir mit 15 Minuten Verspätung. Damit hatte ich meinen Anschlusszug verpasst. Ich blieb einfach sitzen, da ich auf eine vorteilhafte Verbindung in Frankfurt hoffte. Wobei „Hoffnung“ ja nichts anderes ist, als „aufgeschobene Enttäuschung.“

Wie sollte ich meinem Gesprächspartner in Köln die Verspätung erklären?

Da kam mir die Durchsage in der Bahn zur Hilfe:

„Wir haben Mannheim mit 15 Minuten Verspätung verlassen. Der Grund für die Verspätung ist die verspätete Ankunft in Mannheim.“

Das war die Lösung für alle meine  Probleme!

Danke – Deutsche Bahn!

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