Sind alle Lateinlehrer Arschlöcher?

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An welche Lehrer aus Ihrer Schulzeit können Sie sich erinnern?

Ich kann mich am Besten an meinen Lateinlehrer in der 7. Klasse erinnern.

Ich wohnte in einem kleinen Dorf 30 km von meiner Schule entfernt und mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Es gab einen Bus um 6:15 der um 7:00 an der Schule war und einen Express-Bus, der um 7:40 Uhr fuhr, aber erst 8:15 Uhr an der Schule war.

Die Schule begann um 8:00 Uhr.

Also erwirkte meine Mutter bei der Schulleitung eine Sonderreglung für mich, dass ich auf Grund der schlechten Anbindung mit dem Express-Bus fahren durfte und jeden Tag 15 Minuten später zur Schule kommen durfte.

In der 7. Klasse bekam ich Latein als Fach dazu. Und wie es das Unglück wollte, lag Latein montags in der ersten Schulstunde. Als ich das erste Mal um 8:15 Uhr in die Klasse kam, ermahnte mich der Lateinlehrer, dass die Schule um 8:00 Uhr begann. Ich erklärte ihm, dass ich das dürfte. Er erklärte mir erneut, dass die Schule um 8:00 Uhr begann und alle Schüler um 8:00 Uhr da sein müssten.

Als ich das nächste Mal um 8:15 Uhr kam, wurde ich zu allen Vokabeln abgefragt. Und bei meinem dritten Erscheinen um 8:15 Uhr kamen die Konjugationen aller Verben dazu. Und bei meinem vierten Zuspätkommen erweiterte mein Lateinlehrer die Abfrage um die Deklination der Substantive.

Nach wenigen Wochen fing ich an montags den frühen Bus zu nehmen.

Einige Monate später nahm ich immer den frühen Bus.

Heute bin ich meinem Lateinlehrer dankbar.

Nicht, weil ich wegen ihm weiß, dass man Verben konjugieren und Substantive deklinieren kann.

Ich bin Ihm dankbar, weil ich gelernt habe, Ausnahmen nicht sofort zuzulassen. Und es darf auch mal unbequem sein.

Natürlich habe ich den Lateinlehrer anfangs verflucht. Ich musste 5:45 Uhr, statt 7:10 Uhr aufstehen, ich musste abends früher ins Bett, damit ich morgen überhaupt rauskam. Ich langweilte mich jeden Morgen eine Stunde an der Schule.

Aber dann fing ich an, aus der Not eine Tugend zu machen. Ich nutzte die eine Stunde morgens um alle Hausaufgaben zu machen. Ich lernte noch schnell für die Tests und Arbeiten an dem Tag.

Plötzlich war ich in der Schule immer sehr gut vorbereitet und bekam bessere Noten. Morgens kamen immer mehr Schüler zu mir in den Aufenthaltsraum und fragten, ob sie die Hausaufgaben abschreiben könnten. Jetzt wurde ich nicht nur immer besser, sondern auch immer beliebter.

Okay, der letzte Absatz klingt nicht nur wie ein Märchen, er ist auch eins.

Aber in meiner Zeit als Werkleiter fiel es mir leicht, keine Ausnahmen zu machen, wenn Mitarbeiter zu mir kamen und eine Sonderregel für sich wünschten. Dadurch wurde ich als fairer Vorgesetzter wahrgenommen, weil meine Erwartungen für alle galten.

Unsere ganze Führungsmannschaft machte es sich zur Philosophie, die eigenen Erwartungen klar zu äußern und sich selbst an diese Erwartungen zu halten. Die Einhaltung unserer selbst definierten Regeln machte uns zu einer erfolgreich Fabrik.

2008 wurden wir Fabrik des Jahres. Das verdanke ich auch meinem Lateinlehrer!

Wenn Sie wissen wollen, was wir noch alles getan haben, um eine ausgezeichnete Fabrik zu werden, kommen Sie am 12.06.18 – 13.06.18 nach Stuttgart

Der optimale Weiterbildungsschritt für erfahrene Führungskräfte ist das Nicht-Technische-Training NTT. Dort lernen Sie, was Sie als perfekter Chef wissen müssen.

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Wir freuen uns auf Sie.

PS: Und mein Respekt gilt allen Lateinlehrern. Wir brauchen euch. Danke, dass es euch gibt!

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