Mein Arbeitsrichter sagt immer: „…

was sich die Firmen alles gefallen lassen!“ und ich verstehe Ihn. 10 Jahre bin ich als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht tätig und teils amüsiert, teils schockiert, welche Streitigkeiten vor dem Richter landen (die Sitzungen sind größtenteils öffentlich; gönnen Sie sich einen halben Tag im Arbeitsgericht als fachliche Fortbildung, es lohnt sich).

Beim Arbeitsgericht sitzen neben dem Berufsrichter zwei Laienrichter, einer von den Arbeitgeberverbänden gestellt und einer von den Gewerkschaften. Theoretisch stimmt bei einem Kündigungsschutzprozess dann der Gewerkschaftsvertreter immer gegen die Kündigung, während der Arbeitgebervertreter immer für die Kündigung stimmt, so dass der Berufsrichter dann doch wieder entscheidet.

Und jetzt schätzen Sie doch mal, bei wie vielen Verfahren ich als Arbeitgebervertreter gegen die Kündigung stimme?

Leider bei über 80%. Und warum?

Mangelndes Wissen über die elementaren Spieregeln von Mitarbeiterführung, ungenügende Abmahnungen, keine Gleichbehandlung im Unternehmen, mangelnde Aufklärung des Mitarbeiters, mangelhafte Betriebsratsanhörungen und zuletzt Mangel an Konsequenz.

Der eine Teil der Unternehmen zieht nun weiterhin mit all diesen Mängeln zu Gerichte und beschwert sich über das deutsche Arbeitsrecht und der andere Teil der Unternehmen zieht erst gar nicht los und beschwert sich über das deutsche Arbeitsrecht.

Dabei gibt das deutsche Arbeitsrecht alles her, was bei nicht vertragsgemäßer Leistung erforderlich ist„, sagt mein Richter und wundert sich, was sich die deutschen Unternehmen so alles gefallen lassen!

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