Schöner alter Weißbieräquator?

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Welche norddeutsche Brauerei braute im Jahr 1990 Hefeweizen? Mir ist keine bekannt. Damals hielt der Weißbieräquator noch stand.

Und heute? Inzwischen wird das erste Hefeweizen schon direkt an der deutsch-dänischen Grenze gebraut. Die Stralsunder Brauerei hat sogar schon drei Weißbiervarianten im Angebot: Bernstein-Weizen, Roggen-Weizen, alkoholfreies Weizen.

Für die meisten Brauereien ist die Vielfalt der Sorten und Aufmachungen je Biermarke deutlich gestiegen: Pils, Export, Hefe, Gold, Helles, Märzen, Bock, Kräusen, Schwarz, … davon jeweils noch alkoholfreie Varianten oder gemischt mit Limo, Cola, Saft. Zusätzlich die Vielfalt der Gebinde: 0,33l oder 0,5l oder gar 0,75l wahlweise in Glas (in verschiedenen Farben und Formen) oder Kunststoffe, ganze Kästen, halbe Kästen, 11’er Kästen, Sixpacks…

Wie hat sich der Umsatz entwickelt? Der Biermarkt in Deutschland ging die letzten Jahre kontinuierlich zurück. Gründe sind: älter werdende Bevölkerung, höheres Gesundheitsbewusstsein und strengere Alkoholverbote. Die Zukunft wird nicht einfacher, denn bis 2050 nimmt die Einwohnerzahl um ca. 10 Millionen ab.

Wo soll die Entwicklung enden? Der Handel mit beschränkter Verkaufsfläche kann die Anzahl der Varianten nicht unendlich steigern. Brauereien bezahlen die zunehmende Vielfalt mit steigenden Kosten in  Produktion, Logistik und Marketing. Und der Kunde? Mittelfristig besteht die Gefahr, dass ihm die zunehmende Auswahl nervt, da die Einkaufsentscheidung immer komplexer wird.

Was können wir von den Brauern lernen?

1. Die Produktvielfalt wird steigen, d.h. Unternehmen benötigen Flexibilität, um die Komplexität zu meistern.

2. Nicht jede Sortimentserweiterung steigert den Umsatz. Der Ausbau des alkoholfreien Angebotes hilft den Kundenmarkt zu vergrößern (z.B. Bier als Sportgetränk, aber auch während der Arbeit). Die zunehmende Anzahl von Gebinden dürfte hingegen den Gesamt-Umsatz nicht steigern, sondern nur die Kosten.

3. Unternehmen benötigen einen sauberen Controlling-Prozess um ertragsarme Produkterweiterung zu erkennen und sie wieder vom Markt zu nehmen.

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