Weihnachtsromantik ade!

Durch kniehohen Schnee kämpften wir uns den Berg hinauf. Die Scheibenwischer schoben den Dreck von links nach rechts, von Sicht keine Spur. Ein Rutscher, ein Schrei. Der Wagen fing sich, meine Beifahrerin nicht. Weiß, wie die Winterlandschaft erreichte sie den Bauernhof, dessen Schild wir gefolgt waren. Mir war auch nicht wirklich wohl. „Frische Tannenbäume“ hatte uns in die Welt von Schulz von Thun entführt. Ihre Worte waren „Frische Tannenbäume“, meine „Willst Du wirklich da rauf?“

Gemeint war: „Lass uns nicht stundenlang irgendwo hoch fahren, sondern den Weihnachtsbaum möglichst schnell beschaffen.“ Verstanden hatte ich jedoch: „Fahr da rauf!“ Irgendwie waren wir Männer schon immer appellastig.

Der 80 jährige Hofbesitzer starrte uns an, als wären wir die ersten Stadtmenschen, die sich hier hoch verirrt hatten. Mit der Axt in der Hand sah er nicht sehr vertrauenserweckend aus. Meine fahle Beifahrerin zischte „Warum bist Du nur da rauf gefahren – ich wollte einen Tannenbaum und kein Überlebenscamp.“ Ich schüttelte nur den Kopf und wagte einen Schritt aus dem Auto.

Der Hund war schneller und hätte mich ohne Mühe umgeworfen. Nicht, dass ich untergewichtig wäre, aber sind Sie schon einmal von einem ausgewachsenen deutschen Schäferhund überrascht worden? „Der tut nix“ versicherte der Mann mit der Axt in der Hand. Nach einem deutlichen „AUS“ blieb der Hund wie angewurzelt stehen.

Der erste Baum war mein, keine Sekunde wollte ich mein Leben weiter riskieren. „Haben Sie das Schild gelesen, oder waren Sie schon einmal hier?“ fragte der Hinterwäldler. „Schild“ brachte ich nur hervor und fragte nach dem Preis. „25 Euro!“ Ich zog meine Geldbörse, drückte dem Bauer die 25 Euro passend in die durchfurchte Hand, ohne mir die Worte verkneifen zu können: „Ich hätte auch 30 Euro bezahlt!“

„Ich hätte Ihnen den Baum auch für 15 Euro gelassen“, kam die Antwort schneller, als ich den Baum verstauen konnte. „Darf ich Ihnen noch einen Glühwein, oder einen Schnaps anbieten?“ fragte der Alte. Keine Sekunde länger wollte ich an diesem unwirtlichen Ort mit diesem Waldschrat verbringen, bedankte mich höflich und kämpfte mich zurück über den verschneiten Waldweg.

Der Bauer zog sein iPad hervor, trug den Umsatz in seinen Buchhaltungsprogram ein und klickte zurück zu seinem iBook „konsequent“.

Was lernen Sie aus dieser Geschichte? Sicherlich, Menschen nicht nach den äußeren Umständen zu bewerten.

Mich erstaunte jedoch am meisten, wie professionell der Hofbesitzer sein Marktanalyse durchgeführt hatte.

1. Bestandskunde oder
2. Neukunde

2.1. Neukunde durch das Schild, oder
2.2. Neukunde durch einen anderen Hinweis

Wissen Sie, woher Ihre Kunden kommen? Wissen Sie warum Ihre Kunden zu Ihnen kommen? Was ist die Existenzberechtigung Ihres Unternehmens oder Ihrer Abteilung?

Fragen, die es sich lohnt zu beantworten – der Hofbesitzer konnte diese alle beantworten.

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