Nur die Besten!

Von Christiane Döntgen:

Beste Verbindung oder beste Bewerbung?

Als ich in Aachen studierte, „lebte“ im Haus nebenan eine Burschenschaft. Keine schlagende, sondern eine singende: eine Musikverbindung. Ich hörte also aus dem Raum nebenan – aufgrund seiner Größe eher ein Saal – statt Säbelrasseln täglich die Etüden der jungen Männer am Flügel.

Zum Semesterabschluss kamen dann die „alten Herren“, um mit den jungen zu feiern – und zu singen. Jeweils pünktlich um 24 Uhr stimmte der Chor der Bierseligen das Bergmannslied „Glück auf“ an (und ich stand senkrecht im Bett). Dabei sahen die glasig leuchtenden Augen der Altvorderen in ihren jungen Corpsbrüdern die eigene, schöne Studienzeit, während umgekehrt die jungen Füchse und Burschen in den Senioren die eigene strahlende Zukunft erblickten.

Was man früher leicht despektierlich Seilschaft nannte, heißt heute Network. Nach wie vor hat auch das Burschenschaftsnetwork hierzulande Bestand. Wenn Sie Mitglied einer Burschenschaft waren, dann zählt im Umgang mit den Bundesbrüdern der Corpsgeist – gerade beim beruflichen Werdegang. Das Leistungsprinzip, nach dem eine Stelle im Unternehmen vergeben werden sollte, wird unter Corpsbrüdern ein wenig, na, sagen wir: unterlaufen. Aus ihrer Sicht ist das irgendwie gerecht.

Ob Studentenverein, Familienbande, Eliteschule oder Golfclub: Solche Gefälligkeitsnetzwerke sorgen dafür, dass bei Stellenvergaben häufig nicht die Qualifikation, sondern die persönliche Verbindung entscheidet. Und das ist nur ein Faktor, der den schönen Traum vom aktuell gerne beschworenen Leistungsprinzip bei uns so oft platzen lässt.

Machen Sie es besser! Handeln Sie im Sinne Ihres Unternehmens und lassen Sie sich immer von der Qualifikation einer Bewerberin oder eines Bewerbers leiten.

Glück auf!

 

Christiane Döntgen

(Kommunikationsexpertin aus Düsseldorf)

 

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle.

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