Dreieinhalb Minuten!

© iStockphoto.com

Sam Glucksberg (Psychologe an der Princeton-Universität) gab seinen Studenten eine Knobelaufgabe. Zwei Gruppen mussten gegeneinander antreten. Beide Gruppen hatten dieselbe Knobelaufgabe (The Candle Problem).

Welche Gruppe war am schnellsten?

  • Gruppe 1, der mitgeteilt wurde, dass die Zeit für das Lösen der Aufgabe erfasst werden würde, um Normen darüber zu erstellen, wie lange es üblicherweise dauert, dieses Problem zu lösen?
  • oder Gruppe 2, der eine Belohnung angeboten wurde. Wenn sich ein Teilnehmer unter den schnellsten 25% aller Testpersonen befinden würde, würde er dafür 5 US-$ bekommen.  Der Teilnehmer der die kürzeste Zeit benötigt – bekommt sogar 25 US-$. Damit ist der Abend in der Studentenkneipe gesichert.

Was glauben Sie, welche der beiden Gruppen löste die Aufgabe am schnellsten?

In der Wirtschaftspraxis ist Geld ein anerkanntes Mittel um den Verstand zu schärfen und die Kreativität zu fördern. Die Logik ist einfach: Indem für die Erreichung bestimmter Ziele (wie Umsatz, Rendite) hohe Bonuszahlungen in Aussicht gestellt werden, werden bessere Ergebnisse erreicht. Der Bonus soll die Kraft der Manager auf das Unternehmensziel konzentrieren. Sam Glucksberg beobachtete das Gegenteil: Die Gruppe 2 – der eine finanzielle Belohnung bei Zielerreichung in Aussicht gestellt wurde – benötigte für die Aufgabe im Durchschnitt dreieinhalb Minuten länger.

Der finanzielle Anreiz hat die für die Aufgabe erforderliche Kreativität reduziert. „Belohnungen haben die grundsätzliche Eigenart, unseren Blickwinkel einzuengen.“ (Daniel H. Pink) Insbesondere wenn für die Lösung einer Aufgabe Kreativität oder konzeptionelles Denken erforderlich ist, versagen finanzielle Anreize, da es dann schwieriger fällt den ganzen Umfang einer Angelegenheit zu erkennen. Auch die hohen Bonuszahlungen der Banker haben die Finanzkrise nicht verhindert. Vielleicht sogar im Gegenteil…

 

Dieser Beitrag wurde publiziert in Alle zugeordnet zu , , , . Lesezeichen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.