Technik ist unschuldig.

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Um die Mitarbeiter vor Stress zu schützen, wird täglich um 18:30 Uhr die Weiterleitung vom Mailserver auf den Blackberry-Server gekappt. Nicht für alle Mitarbeiter, sondern diese Regelung betrifft nur die ca. 1.100 Tarif-Mitarbeiter. Es ist  gut gemeint – aber nicht zur Nachahmung empfohlen.

Ein wesentlicher Baustein psychosozialer Gesundheit ist Handlungsspielraum (siehe Blog vom 02.12.11: Burnout? Auswege!). Gerade diesen Spielraum nimmt diese Regelung. Die technische Lösung signalisiert  den  Mitarbeitern mangelndes Zutrauen in die eigene Kompetenz im Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln.

„Wir lösen euch das Problem!“

Die Annahme, dass zukünftig die Betriebsparteien sämtliche Risiken des modernen Berufsleben für ihre Mitarbeiter ausschließen können, führt in eine Sackgasse. Nicht die Überzeugung: Mitarbeiter als schutzbedürftiges Wesen, sondern die Befähigung der Mitarbeitenden Handlungsspielräume zu erkennen und zu nutzen führt zu dauerhaften Erfolg.

Training schlägt Regulierung!

Keiner muss ständig 24h erreichbar sein. Und die vorhandene E-Mail-Flut ist selten das Ergebnis betrieblicher Erfordernisse, sondern das Resultat schlechter Kommunikationskultur.

Was häufig fehlt ist Einsicht. Einsicht entsteht durch persönliche Kommunikation, dadurch, dass Führungskräfte zum Äußersten greifen und mit ihren Mitarbeitern reden. Reden über ihre Erwartung im Umgang mit den neuen Technologien, über ihre Erwartungen bezüglich E-Mail-Verteiler, über ihre Erwartungen für die Firma nach Feierabend verfügbar zu sein. Und indem die Führungskräfte ihre Erwartungen vorleben.

Technische Lösungen erzeugen hingegen keine Einsicht, häufig nur Ausweichverhalten. Man kann sich die „dringende“ Präsentation ja auch auf  den privaten Account schicken lassen. Und dann war die Regelung gut gemeint, aber nicht gut.

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