Wie verändert sich die Arbeits-Leistung durch die Anwesenheit von Kollegen?

© PantherMedia / Jens Brüggemann

Das kommt auf die Aufgabe an. Wenn andere Personen in unsere Nähe sind, dann schlägt unser Herz schneller oder wir schwitzen schneller. Dies liegt daran, dass die Anwesenheit anderer Personen die physiologische Erregung steigert. Wir führen dann bevorzugt Handlungen aus, die uns leichter von der Hand gehen oder uns am schnellsten in den Sinn kommen. Wenn wir also Aufgaben bearbeiten, die wir gut beherrschen, dann steigert die Anwesenheit anderer Personen die Leistung durch soziale Erleichterung.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn wir Handlungen ausführen, die wir noch nicht perfekt beherrschen. Oder wenn wir komplexe Aufgaben bearbeiten die unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern. Hier kommt es durch die Anwesenheit anderer zur sozialen Hemmung. Die Leistung verschlechtert sich. Dies liegt daran, dass wir bei der Anwesenheit anderer automatisch unterstellen, dass wir bewertet werden. Deshalb wird ein Teil unserer Aufmerksamkeit auf die Beobachtung der anderen Personen gelenkt. Infolge der Bewertungsangst steht also nicht mehr die ungeteilte Aufmerksamkeit für die Bearbeitung der Aufgabe zur Verfügung.

Wenn Sie als geübter Radfahrer gemeinsam mit Kollegen zur Arbeit radeln, dann spüren Sie den leistungssteigernden Effekt der sozialen Erleichterung. Wenn Sie hingegen gerade auf Einrad umgestiegen sind, dann wird die Anwesenheit Ihrer Kollegen den Umstieg durch soziale Hemmung erschweren.

Was bedeutet das für die Gestaltung der Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter?

Bei einfachen, monotonen oder gut trainierten Handlungen führt die Anwesenheit andere, z.B. im Großraumbüro oder in der Werkhalle zur Leistungssteigerung durch soziale Erleichterung. Bei komplexen Aufgaben oder während der Anlernphase führt die Anwesenheit anderer durch soziale Hemmung zur Leistungsreduktion. Hier sind dann Einzelarbeitsplätze leistungsförderlicher.

Ressourcen:
Werth, L., Seibt, B. & Mayer, J. (2020): Sozialpsychologie – Der Mensch in sozialen Beziehungen. Interpersonale und Intergruppenprozesse, Berlin: Springer
Zajonc, R. B. (1965): Social facilitation. Science, 149, 269-274.

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